Selbstbestimmt Leben mit dem Persönlichen Budget

Eine häufige Frage in der Beratungsstelle des Vereins PHÖNIX e.V. lautet: „Es gibt doch das Persönliche Budget. Kann ich da auch etwas bekommen?“

Die erste und wichtigste Antwort darauf  heißt: Das Persönliche Budget ist keine neue Leistung. Es gibt kein Geld vom Staat, nur weil jemand behindert ist, auch wenn Meldungen mit teuren aber nutzlosen Service-Rufnummern im Videotext einen anderen Eindruck erwecken möchten. PHÖNIX e.V. leistet Beratung durch Expertinnen und Experten in eigener Sache.

Das Persönliche Budget steht allen behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen zu, die im Alltag, im Beruf oder in der Freizeit Unterstützung benötigen und sich diese finanziell nicht leisten können. Mit seinem Persönlichen Budget soll ein behinderter Mensch sich die Leistungen, die er benötigt, nach seinen individuellen Bedarf einkaufen können. Deshalb ist die sorgfältige Erhebung des Bedarfs der erste Schritt zum Persönlichen Budget. Um Ihnen bei der Formulierung des Budget-Antrags zu helfen, wird Ihre Beraterin Sie fragen, welche Unterstützungsleistungen Sie genau brauchen, wie oft am Tag oder im Monat und wie lange diese notwendig sind. So lässt sich ein monatlicher Bedarf errechnen.

In einem weiteren Punkt geht es darum, wer die zu beantragende Leistung erbringen soll: Sucht der behinderte Mensch sich einen Dienstleister aus oder möchte er selbst als Arbeitgeber auftreten und für die Leistung eigenes Personal anstellen? In diesem Fall können die Verwaltungsarbeiten einem Lohnbüro übertragen und die hierfür anfallenden Kosten in das Persönliche Budget eingerechnet werden. Gegen Entgelt wird diese Verwaltungs-Dienstleistung auch von PHÖNIX e.V. angeboten.

Einer der Vorteile des Persönlichen Budgets ist, nicht an einen Anbieter oder eine Leistungsform gebunden zu sein. Mehrere Formen der Hilfe lassen sich optimal kombinieren. Es ist zum Beispiel möglich, notwendige Pflege- und Assistenzleistungen teilweise durch einen ambulanten Dienst und teilweise durch selbst beschaffte Assistenzkräfte zu erhalten.

Da das Persönliche Budget eine Geldleistung ist, muss der benötigte Geldbetrag im Budget-Antrag in Euro beziffert werden. Das heißt, man muss Kostenvoranschläge von Anbietern oder für selbst beschaffte Hilfen eine Kalkulation vorlegen. Dabei helfen die Beraterinnen von PHÖNIX zusammen mit dem Kollegen aus der Lohnbuchhaltung.

Der nächste Schritt ist die Budgetkonferenz: In einem gemeinsamen Gespräch des behinderten Menschen mit einem oder mehreren beteiligten Kostenträgern wird ausgehandelt, worin der Bedarf genau besteht, wie hoch er ist und wie er am besten gedeckt werden kann. Das Ergebnis wird in einem Vertrag, der so genannten Zielvereinbarung, schriftlich festgehalten. Dort wird unter anderem festgelegt, wie viel Geld gezahlt wird und wie lang das Persönliche Budget laufen soll, bis wieder neu verhandelt wird. Es kann zum Beispiel ein Teil des Persönlichen Budgets für die Arbeitsassistenz, ein Teil für die Pflege und ein Teil für die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft sein. In einem solchen Fall, in dem mehrere Leistungsträger an einem Fall beteiligt sind, spricht man von einem trägerübergreifenden Persönlichen Budget, im genannten Beispiel etwa unter Beteiligung von Pflegekasse, Sozialhilfeträger und Integrationsamt. Alle nehmen gemeinsam mit dem behinderten Menschen an der Budgetkonferenz teil.

Eine Behörde, meistens diejenige, welche den Großteil der Kosten zu tragen hat, übernimmt dabei die Zuständigkeit und die Regie. Dieses Amt wird zum so genannten Beauftragten, und damit zum alleinigen Ansprechpartner für den behinderten Menschen. Intern holt die Behörde sich einen Teil des Geldes von den anderen zuständigen Kostenträgern zurück.

Obwohl das Persönliche Budget bereits im Jahr 2001 in das Sozialgesetzbuch IX eingeführt wurde, lehnen manche Behörden es auch heute noch aus Unkenntnis einfach ab. Dies sollte behinderte Menschen jedoch nicht davon abhalten, es einfordern, findet Hülya Högl-Demircan. Die Dipl.-Sozialpädagogin hat sich im PHÖNIX-Team auf das Persönliche Budget spezialisiert. Sie besucht regelmäßig Fortbildungen dazu und hält auf Wunsch auch Vorträge darüber. Sie hat schon etliche behinderte Menschen und Familien mit behinderten Angehörigen erfolgreich auf dem Weg zu einem Persönlichen Budget begleitet.