Suchst du noch oder wohnst du schon?

Lifestyle

Ein Erfahrungsbericht von Uschi Obermayr

Meine Suche nach einer rollstuhlfreundlichen Wohnung in Regensburg beginnt im Internet, bei Google. Für „Wohnungssuche Regensburg“ spuckt die Suchmaschine circa 471.000 Treffer aus. Fügt man noch das Wort „barrierefrei“ hinzu, reduziert sich die Zahl der Fundstellen auf etwa 6.640. Bei näherer Betrachtung stellt sich aber schnell heraus, dass die Ergebnisse zu unspezifisch sind, um damit wirklich eine passende Wohnung zu finden. Das meiste bezieht sich auf Angebote des betreuten Wohnens.

Ich rufe bei der Stadtbau GmbH an. „Derzeit ist nichts frei, die Warteliste ist lang“, höre ich. Für eine öffentlich geförderte Wohnung bräuchte ich einen Wohnberechtigungsschein. Die Einkommensgrenze dafür liegt bei 12.000 Euro Jahresbrutto, abzüglich Werbungskosten sowie Pauschalen für Steuern, Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge. Schwerbehinderte Menschen können vom Einkommen darüber hinaus einen Freibetrag von 4000 Euro absetzen, dürfen also bis zu 16.000 Euro pro Jahr verdienen. Für Familienangehörige gelten zusätzliche Freibeträge, nachzulesen im Internet unter www.regensburg.de/buerger/leben/familie/familienratgeber/13/index.shtml. Bürger der Stadt Regensburg erhalten den Wohnberechtigungsschein beim Amt für Städtebauförderung, wo es auch eine Liste der Institutionen und Unternehmen gibt, die Sozialwohnungen vermieten. Wer im Landkreis Regensburg wohnt, bekommt den Schein beim Landratsamt Regensburg. Ich will es ohne öffentliche Förderung versuchen.

Zurück zu den 471.000 Google-Ergebnissen. Aus den Internetseiten der Immobilienmakler kann ich schon viel über die Zugänglichkeit der jeweiligen Wohnung, etwa ob sie im Erdgeschoss ist oder einen Lift hat, herauslesen. Sehr hilfreich sind die Grundrisspläne, die manchmal angeboten werden. Wegen einiger Wohnungen frage ich telefonisch nach. Überraschenderweise ist niemand ist von meinen besonderen Bedürfnissen verschreckt. Alle Makler sind bemüht um mich: „Wenn es nicht eilt, finden wir immer was“, heißt es freundlich.

Nach einem Tag Internet-Recherche habe ich bereits drei Besichtigungstermine für zwei Wohnungen im Westen, davon eine barrierefrei, sowie ein Appartement in der sanierten Schnupftabakfabrik. Skeptisch frage ich nach, ob ich dort mit dem Rollstuhl hineinkomme, der Makler bejaht das, und obwohl ich so meine Zweifel habe, muss ich die Wohnung unbedingt sehen. Das Haus habe schon seit 100 Jahren einen Aufzug, erklärt mir der Makler, und ich bin von dem schönen Gebäude fasziniert. Trotzdem muss ich absagen, denn ich kann die schwere Brandschutztüre nicht öffnen, und die Rigips-Wand im Bad könnte keinen Haltegriff tragen. Zum Trost schleppt mich der Makler noch in eine Dachgeschosswohnung im Haus, nur um sie mir zu zeigen: „Sie haben ja sonst keine Chance, sowas mal zu sehen“, sagt er voller Begeisterung. Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Die barrierefreie Wohnung gefällt mir, ist mir aber dann doch zu teuer. Die dritte Wohnung hat ein unzugängliches Badezimmer.

Ich rufe einen weiteren Makler an, um eine vierte Besichtigung zu vereinbaren. Treffer, diese Wohnung würde ich nehmen. Sie hat ein paar Nachteile unde ist auch nicht billig, aber die Lage und der schöne Zuschnitt gefallen mir einfach sehr gut. Allerdings ist das Bad recht klein und der Zugang zusätzlich durch die Türe, die im Weg steht, erschwert. Dem Makler habe ich gleich gesagt, dass ich im Bad eine Schiebetür bräuchte, aber er hat es offenbar dem Vermieter nicht mitgeteilt. Dieser ist zunächst skeptisch und braucht lange, um dieser Umbaumaßnahme zuzustimmen. Einmal entschieden, zeigt er sich dann aber äußerst kooperativ und sehr freundlich mir gegenüber. Wenige Tage nach meinem Umzug ist die Schiebetüre bereits eingebaut. Den Großteil der Kosten hierfür bezahlt die Pflegekasse als Zuschuss zur Verbessserung des Wohnumfeldes. Manche Probleme lassen sich nicht so einfach lösen. Die Tiefgarage ist für mich unzugänglich, weil es trotz Aufzug noch Stufen und nur einen Duplex-Stellplatz gibt. So wird mein Auto wieder zum Straßenparker, aber ich habe immerhin Glück, dass ich den Stellplatz nicht nehmen muss. Wie vieles in einem Leben mit Behinderung ist auch die passende Wohnung fast immer ein Kompromiss, aber mit dem nötigen Maß an Geduld kann man sich auch als Rollifahrerin häuslich einrichten.

Nützliche Adressen:

Amt für Städtebauförderung und Bauvergabe der Stadt Regensburg
Minoritenweg 8 - 10, Zimmer 61 bis 63, 93047 Regensburg
Tel.: 0941/507-2623 oder -2624 oder -2625, Internet: www.regensburg.de

Stadtbau GmbH
Adolf-Schmetzer-Straße 45, 93055 Regensburg
Tel.: 0941/79610, Fax: 7961162, Internet: www.stadtbau-regensburg.de

Katholisches Wohnungsbau- und Siedlungswerk der Diözese Regensburg GmbH
Großprüfening 7, 93049 Regensburg
Tel.: 09 41/396080, Telefax: (09 41) 3 96 08-20, Internet: www.kws-regensburg.de

Wohnungsbau und Siedlungswerk Werkvolk eG
Theodor-Heuss-Platz 28, 93051 Regensburg
Tel.: 0941/920450, Fax: 0941/993209
Internet: www.ws-eg.de

Für Studenten: Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz: www.stwno.de/wohnungsmarkt/

Zeichen mit Leerzeichen: 3993