"Gleichstellung beginnt in den Köpfen der Menschen"

GesellschaftPhönix

PHÖNIX e.V. nutzte den Aktionsmarkt zu Aufruf für die Gleichstellung (kh) Sehr zufrieden waren die Organisatoren des Großen Aktionsmarktes zum freiwilligen Engagement, KISS und die FreiwilligenAgentur, mit dem Verlauf ihrer Veranstaltung am vorletzten Wochenende. 80 Organisationen boten einen Überblick ehrenamtlicher Tätigkeiten und waren ihrerseits sehr angetan vom gelungenen Rahmenprogramm und der logistischen "Hintergrundarbeit".Der 5. Mai war gleichzeitig ein bundesweiter Aktionstag zur Gleichstellung behinderter Menschen. In vielen deutschen Großstädten fanden daher, initiiert von der Aktion Mensch und der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL), deren Mitglied auch der Regensburger Verein PHÖNIX ist, Veranstaltungen zum Thema Integration Behinderter statt.PHÖNIX nutzte die Plattform des Aktionsmarktes am Haidplatz zur Eröffnung seiner Fotoausstellung "Selbstbestimmt Leben". Im Thon-Dittmer-Palais konnten Interessierte Bilder betrachten, die problematische Situationen behinderter Menschen im Alltag zeigten. Anliegen des Vereins war es dabei, mit Vorurteilen aufzuräumen und klar zu machen, dass auch Menschen mit einem körperlichen Handicap in der Lage sind, fast alle Lebenslagen zu meistern, sofern man ihnen ein wenig entgegenkommt und kleine Hilfen bietet. Vor allem hinsichtlich der Benutzbarkeit und Zugänglichkeit öffentlicher Einrichtungen wie Telefonzellen, Bankautomaten und Sanitärräumen herrscht Nachholbedarf. Auch in bezug auf Alltagsgegenstände wie behindertengerechte Wäschespinnen, Wickeltische oder Küchengeräte gibt es häufig Probleme. Andere Bundesländer, vor allem solche mit großen Ballungsräumen, sind bei der Gleichstellung behinderter Menschen im Alltag wie auch im Berufsleben schon wesentlich weiter fortgeschritten. Die überwiegend ländliche Struktur Bayerns macht einen flächendeckenden Ausbau behindergerechter Infrastruktur schwierig.PHÖNIX fordert eine bessere Integration Behinderter und die Verabschiedung von Gleichstellungsgesetzen (als Ergänzung zu Art. 3 GG). Das Gesetz soll zu Veränderungen im Wohnungs- und Arbeitsrecht führen und Diskriminierungen im Versicherungsrecht abbauen. Das Gesetz allein sei aber kein Allheilmittel, so PHÖNIX, Gleichstellung müsse in den Köpfen der Menschen beginnen.Doch auch die Behinderten selbst seien mittlerweile etwas behäbig geworden, wenn es um ihre umfassende Einbindung ins Alltagsleben gehe. Einige seien mit den Teilerfolgen, die in den letzten Jahren unbestritten erzielt wurden, offenbar zufrieden. PHÖNIX versucht, auch diese Leute aufzurütteln: "Integration ist keine Einbahnstraße. Beide Seiten müssen zu Gleichstellung beitragen".Wochenblatt 16. Mai 2001 Presseerklärung des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange Behinderter - Karl Hermann Haack "Gleichstellung jetzt!" lautet das Motto zum 5. Mai 2001, dem ,Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen'. Organisationen und Verbände behinderter Menschen bekräftigten ihre Forderung nach einem Gleichstellungsgesetz für behinderte Menschen.Hierzu erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Behinderten, Karl Hermann Haack, in Berlin:'Die Forderung nach einem Gleichstellungsgesetz für behinderte Menschen unterstütze ich. Seit dem von mir im Oktober 2000 veranstalteten Kongress 'Gleichstellungsgesetze jetzt!' ist neue Bewegung in die Debatte gekommen.Gegenwärtig arbeitet eine Projektgruppe im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung intensiv an der Erstellung eines Referentenentwurfs.Die Fachkompetenz der Betroffenen, namentlich von Vertretern des Forums behinderter Juristinnen und Juristen, leistet dazu einen unverzichtbaren Beitrag.' Kassel (dpa/lhe) - Anlässlich des europäischen Protesttags zur Gleichstellung behinderter Menschen an diesem Samstag hat der Landeswohlfahrtverband Hessen (LWV) von Bund und Land Gleichstellungsgesetze gefordert. Benachteiligungen Behinderter im Straßenverkehr, beim Zugang zu öffentlichen Gebäuden oder in der Rechtsprechung müssten endlich beseitigt werden, verlangte der LWV am Freitag in Kassel.Ein Leistungsgesetz zur Rehabilitation Behinderter müsse für Gleichbehandlung bei allen Formen der Rehabilitation sorgen. Derzeit würden zwar die medizinischen und beruflichen Rehabilitationsleistungen unabhängig vom Einkommen gewährt. Bei der sozialen Rehabilitation aber müssten Behinderte und ihre Angehörigen die Betreuung und Förderung in einem Wohnheim selbst mitfinanzieren. Rehabilitation dürfe aber nicht vom Antrag auf Sozialhilfe abhängig sein.dpa 04. Mai 01 Kassel (dpa/lhe) - Eine behindertenfreundliche Gestaltung des öffentlichen Lebens hat die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) in Kassel zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung Behinderter am Samstag verlangt. Bei der Schaffung von Barrierefreiheit gehe es nicht nur um Treppen und Rampen, sondern um die Möglichkeit für alle Menschen, sich eigenständig im öffentlichen Raum zu bewegen und Informationen einzuholen, sagte die Geschäftsführerin des Bundesbehindertenverbandes, Martina Puschke, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).«Barrierefreiheit ist nicht grundsätzlich eine Frage des Geldes», sagte Puschke. Vielmehr reiche es oft schon aus, die besonderen Bedürfnisse von Behinderten etwa beim Bau von Häusern und Verkehrsmitteln mit einzuplanen. Das von der Bundesregierung geplante Gleichstellungsgesetz gebe Behinderten diesbezüglich künftig einklagbare Rechte. In der Folge sollte aber auch der private Sektor in die Bemühungen um Barrierefreiheit mit einbezogen werden. So sollten Anbieter von Pauschalreisen automatisch darüber informieren, welche Hotels und Angebote für Behinderte geeignet seien, so Puschke.Besonders wichtig sei die Berücksichtigung der Bedürfnisse Behinderter bei den neuen Kommunikationstechniken wie dem Internet. Gestalter von Internet-Seiten etwa sollten beim Erstellen von Websites daran denken, auch eine reine Textversion anzubieten, die Blinde mit der Braille-Zeile ihres Computers lesen könnten.Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben ist ein Dachverband von bundesweit 30 Behindertenverbänden. Am Protesttag zur Gleichstellung Behinderter wollen Behinderte und ihre Organisationen in mehr als 100 Städten Deutschlands auf ihre Diskriminierung hinweisen und gleiche Rechte einfordern.dpa 05. Mai 01 Mainz (dpa/lrs) - Die rheinland-pfälzische Landesregierung will in der kommenden Legislaturperiode ein Landesgesetz zur Gleichstellung von Behinderten vorlegen. Das hat der Landesbehindertenbeauftragte Richard Auernheimer (SPD) anlässlich der europaweiten Protesttags für die Gleichstellung behinderter Menschen am Samstag angekündigt. Zur sozialen Eingliederung müsse jedoch nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung mit Engagement und Toleranz beitragen, sagte der Staatssekretär im Sozialministerium. Die Landesregierung werde der beruflichen und gesellschaftlichen Integration von Behinderten eine hohe Priorität einräumen.dpa 05. Mai 01 München (dpa/lby) - Einen Tag vor dem europäischen Protesttag für Behinderte ist im Freistaat die Forderung nach einem bayerischen Gleichstellungsgesetz für Behinderte laut geworden. Die Staatsregierung dürfe nicht warten, bis das bundesweite Gesetz in Kraft trete, sondern müsse selber aktiv werden, forderte die Caritas am Freitag in München. «Viele Regelungen in den Bereichen Bildung, Bauen und Wohnen sind Länderkompetenz», sagte Landes-Caritasdirektor Karl-Heinz Zerrle. Die Landtags-SPD stellte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Kernpunkte der gemeinsamen Forderung ist die Umkehr der Beweislast zu Gunsten Behinderter und ein Verbandsklagerecht.Eine umgekehrte Beweislast bedeutet, dass nicht der behinderte Mensch seine Diskriminierung beweisen muss, sondern die beklagte Institution nachweisen muss, dass sie nicht diskriminiert. «Ein Rollstuhlfahrer könnte dann die Bahn verklagen, weil er wegen der Treppenstufen keinen Zugang hat und die Bahn müsste nachweisen, dass dies nicht stimmt», sagte Zerrle.Auch beim Verbandsklagerecht geht es um die rechtliche Durchsetzbarkeit der Gleichstellung. Bei dieser Klageform muss nicht der Behinderte selber klagen, sondern ein Verband könnte das für ihn erledigen. «Bei den hohen Belastungen, denen Behinderte im Alltag ohnehin schon ausgesetzt sind, wäre dies dringend nötig», sagte Zerrle.Auch die Landtags-SPD vertritt diese Forderungen. Die Abgeordnete Christa Steiger will einen Behindertenbeauftragten einführen und das Amt bei der Staatsregierung ansiedeln. Zudem müsse der Freistaat mehr Schwerbehinderte beschäftigen. «Bayern ist bei der Umsetzung dieser Beschäftigungspflicht mit 3,89 Prozent das Schlusslicht unter den alten Bundesländern», kritisierte Steiger.dpa 04. Mai 01