Die Behinderten machen Druck

GesellschaftPhönix

Verein "Vorsicht Behinderung!" stellte sich mit Bus-Aktion vor map. "An intensiver Öffentlichkeitsarbeit war ein Mangel vorhanden", beschrieb Armin Fillinger, Vorstandsmitglied des neuen Vereins "Vorsicht Behinderung!" den Grund, aus dem der behindertenpolitische Arbeitskreis vor drei Jahren entstand, der jetzt in einen eingetragenen und gemeinnützigen Verein mündete. Eines der Schwerpunktthemen lautet Verkehrspolitik, mit dem der Verein sich im Rahmen einer Informationsaktion gleich der Öffentlichkeit vorstellte. Am Bismarckplatz konnten alle Interessierten zwei sogenannte Niederflurbusse begutachten, für deren Einführung im Bereich der Regensburger Verkehrsbetriebe der Verein plädiert.In anderen Städten, zum Beispiel Bremen und München, würden die Busse bereits erfolgreich fahren, so Fillinger, und er meinte: "Es wäre schon ein großer Gewinn, wenn man diese Busse in Regensburg wenigstens auf ein oder zwei Linien einsetzen könnte." Die Mobilität der Behinderten erhöhe sich mit diesen Bussen ungemein: "Ein Behinderter kann sich dann allein, ohne Hilfe, in der Stadt frei bewegen", erklärte Vorstandsmitglied Bernd Jacobus. - Die beiden Männer sprechen ebenso wie Monika Jauch, die Dritte im Bunde, aus eigener Erfahrung.Eine Barriere würden die derzeit benutzten Stadtbusse aber nicht nur für sie darstellen: "Verkehrsbehinderte sind auch kleine Kinder, Leute mit großem Gepäck, ältere oder kranke Mitbürger", so Jacobus. Niederflurbusse könnten Abhilfe schaffen - und würden laut Jacobus auch von den Behindertenfahrdiensten begrüßt.Stadträtin Helga Göhring nannte die am Bismarckplatz vorgestellten Busse "ausgezeichnet", gab aber zu bedenken, dass die Stadt erst neue Busse angeschafft habe und deshalb frühestens Niederflurbusse mit eingebunden werden könnten, wenn ohnehin wieder welche ersetzt werden müssten. Und vor etwa zwei Jahren, als die Niederflurbusse schon einmal im Gespräch waren, habe diese Neuheit "noch sehr unter Kinderkrankheiten gelitten", wie RVB-Geschäftsführer Bernd-Reinhard Hetzenecker feststellte, weshalb man sie damals nicht anschaffte.Jacobus´ Dank galt der RVB, da sie die beiden Niederflurbusse, die die Hersteller ihr ausgeliehen hatten, dem Verein "Vorsicht Behinderung!" für den Aktionstag zur Verfügung stellte. "Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit so einen Bus überhaupt mal sieht", meinte er. Die Sparkasse steuerte zur Vereinsgründung einen Scheck über tausend Mark bei. Auch aus der Bevölkerung kann an den gemeinnützigen Verein gespendet werden (Konto-Nr. 165 027).Weiterem "Zulauf" ist der Verein, der derzeit zehn bis 15 Mitglieder umfasst , nicht abgeneigt: "Wir legen aber auf aktive Mitarbeit Wert, nicht auf Karteileichen", betonte Fillinger. Offen ist der Verein für Behinderte und Nichtbehinderte gleichermaßen: "Wir wollen ja nicht isoliert leben", bekräftigte Monika Jauch, "Integration ist das Stichwort".Verkehrspolitik ist nur eins der Themen, zu denen der Verein sich äußern will. Weitere Schwerpunkte sollen z. B. die Wohnungssituation (die für Behinderte noch schlechter ist als für Nichtbehinderte) oder der Pflegenotstand sein. In Pilsting laufen fast nur noch Niederflurbusse vom Band zi. Der Verein "Vorsicht Behinderung!" hat trotz der wenigen Tage seines Bestehens offenbar bereits Erfahrungen mit den Regensburger Verkehrsbetrieben (RVB) gesammelt. Dies geht aus einem Flugblatt hervor, das bei der Aktion am Bismarckplatz verteilt wurde: "Die Niederflurtechnik steckt keineswegs mehr in den Kinderschuhen, wie uns Vertreter der RVB immer wieder glauben machen wollen." Und in der Tat will der Vorsitzende der RVB-Geschäftsführung, Dieter Baldauf, Niederflurbusse erst einem "Wintertest" unterziehen, wie er erst dieser Tage erklärte.Erich Henn von der Abteilung Qualitätssicherung der Auwärter-Werke im niederbayerischen Pilsting, wo die Neoplan-Busse gefertigt werden, betonte gegenüber der MZ, dass bei Auwärter fast nur noch Niederflurbusse vom Band laufen, gebaut werden sie schon seit Jahren. Im Einsatz sind die High-Tech-Busse rund um den Erdball, von Riad/Saudi-Arabien bis Philadelphia/USA, und in der Bundesrepublik in München, Bremen und vielen anderen Städten.Mittelbayerische Zeitung, 29./30.9.90