"Phönix" bietet professionelle Hilfe für behinderte Menschen von behinderten Menschen in allen Lebensbereichen R e g e n s b u r g. Die Domstadt hat nach den Angaben des Landesamtes für Statistik in Bayern den höchsten Anteil an behinderten Menschen: 130 von 1000 Bürgern haben berufliche und/oder soziale Chancennachteile durch eine Behinderung. Wer de-?-ert die Alltagsbarrieren, die das Recht auf Lebensqualität einschränken, besser als der Rollstuhlfahrer, der vor dem zu hohen Bürgersteig steht, der spastisch Gelähmte, der ein Bewerbungsgespräch führen möchte oder das behinderte Kind, das in der Schule nicht am Sportunterricht teilnimmt?
Seit gestern existiert in Regensburg - ebenerdig - eine weitere Anlaufstelle für Behinderte. "Phönix" heißt das Projekt, das schon seit April die Arbeit aufgenommen hat, gestern aber Büroräume in der Waffnergasse 1 bezog. Die Phönix-Leute wollen zur Verbesserung der Eingliederung behinderter Menschen in allen Lebensbereichen beitragen. Mit Bernd Jacobus, Sozial-Pädagoge, Armin Fillinger, Jurist, und Klaus Herzog, Diplom-Ingenieur, stehen dem Projekt Fachleute zur Verfügung, die wissen, wovon sie reden, wenn sie beraten. Sie sind nämlich selbst behindert und haben einschlägige Erfahrung im Überwinden desjenigen Teils der Behinderung, der die Beschränkungen des Bewegungsapparates zu einer Beschränkung des Kommunikationsapparates erweitert: die sprachlose Distanz der "Fußgänger", derjenigen, die eben "glücklicherweise" keinen Rollstuhl brauchen.
Jacobus, Herzog und Fillinger sind als Aktivisten bereits im Studium auf ihre - nichtbehinderten - Kommilitonen "zugegangen", haben deren Fluchtdistanz verkürzt und den Ausweg zur Verdrängung abgeschnitten. Ein Sportverein, der Rollstuhlfahrer und Fußgänger zusammen bringt, SG BeNi, (Sportverein für Behinderte und Nichtbehinderte) und der Verein "Vorsicht Behinderung! e.V." sind die im Registergericht aktenkundige Konsequenz der Courage von Leuten, die erstens den Mut haben, einen Mangel an Integration aufzuzeigen und zweitens den Mumm, diesen Mangel selbst zu überwinden. "Vorsicht Behinderung!" hat als "außen" sichtbaren Erfolg den für das nächste Jahr geplanten Einsatz von Niederflurbussen gegen langanhaltenden Widerstand bewirkt. - Gleichberechtigung also im öffentlichen Personennahverkehr. Beide Vereine haben eine Statistik vorgelegt, die erhebliche Lücken in der ambulanten Betreuung Behinderter aufzeigt.
Nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" haben die Mitglieder der beiden Vereine nun "Phönix" gegründet, Spendenmittel akquiriert und über das Arbeitsamt die Finanzierung einer hauptamtlichen Stelle (ABM für zwei Jahre) gesichert. Bernd Jacobus ist hauptamtlicher Mitarbeiter dieses Projektes, die Beratungszeiten sind Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr, Donnerstag 16 bis 19 Uhr (Telefon: 0941/55372). Als erste Aufgabe will Phönix" einen ambulanten Hilfsdienst für Behinderte einrichten, 1992 sollen die ersten Helfer vermittelt werden, so hofft man.br>
Wer diesen Ansatz zur Integration und - ja: Kommunikation finanziell unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto der Sparkasse Regensburg, Kto.-Nr.: 165027, BLZ: 75050000. Spendenquittungen werden vom Verein "Vorsicht Behinderung!" ausgestellt.
Donaupost 02.07.91