"Behinderte brauchen mehr Einfluß"

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Phönix kämpft um Gleichstellung / Schlechtes Zeugnis für Regensburger Schulen VON KATRIN NIKOLAUS

REGENSBURG. Die Liste der Wünsche von Behinderten ist lang, und ihre Verwirklichung wird immer schwieriger. "Um unsere Rechte durchzusetzen, brauchen wir kompetente Fachleute", sagte Armin Fillinger vom Verein Phönix. Rund um den europaweiten Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai hat Phönix Veranstaltungen organisiert. Zum Abschluß wird heute um 20.30 Uhr im Leeren Beutel der Film "Leben mit der eisernen Lunge" gezeigt.

Die Aktionen konzentrierten sich dieses Jahr auf die Forderung, Regelschulen für behinderte Kinder zu öffnen. "In Regensburg gibt es keine einzige integrative Klasse", kritisierte Gesine Fritsch. Die 33jährige Diplom-Psychologin hat 72 Schulleiter, Lehrer und Eltern befragt, wobei sich nicht alle Schulen an der Umfrage beteiligten. Ergebnis: Nur zwei Gymnasien sind für Rollstuhlfahrer voll geeignet, ein drittes hat einen Aufzug, über den aber nicht alle Stockwerke erreichbar sind. Von drei untersuchten Realschulen ist eine sehr gut, eine bedingt und eine gar nicht für Rollstühle geeignet. Von den sechs untersuchten Grundschulen sind zwei geeignet für behinderte Kinder.

Für die Phönix- Mitglieder ist klar, wer die Integration der behinderten Kinder in Bayern blockiert: "Das sind zum guten Teil die Sondereinrichtungen, die ihre Existenzberechtigung nicht verlieren wollen", so Armin Fillinger. Eltern könnten ihre behinderten Kinder nur "ohne Risikoausgleich" in Regelschulen schicken. "Wenn es dann mangels Förderung nicht klappt, heiß es sofort: Da sieht man´s ja." Ein Lichtblick: Im Kinderhaus in der Dr.-Gessler-Straße wurde eine integrative Kindergartengruppe eingerichtet.

Phönix arbeitet nach dem Prinzip des "Peer counseling": Behinderte beraten Behinderte zu Problemen, die sie aus eigener Erfahrung kennen. "Wir bauen gerade ein Team aus kompetenten Fachleuten auf", so der ausgebildete Jurist Fillinger. Diplom-Psychologin Ulrike Rahn berät Frauen, "vor allem bei Problemen mit Helfern". Sie selbst hat einen "hohen Querschnitt", kann also Arme und Beine nicht bewegen, und ist rund um die Uhr auf Helfer angewiesen. Ursula Obermayer ist Juristin und spezialisiert sich auf Rechtsprobleme von Behinderten. "Was auf uns durch die Pflegeversicherung zukommt, ist bereits ein weites Feld", so die 28jährige. Sie hätte gern eine ABM-Stelle bei Phönix. "Viele Behinderte in verantwortungsvollen Positionen wollen nichts mehr von Engagement für Behinderte wissen, weil sie glauben, dass sie es geschafft haben", so Fillinger. doch für Phönix sind einzelne Erfolge viel zu wenig. "Wir brauchen Behinderte, die etwas zu sagen haben und ihren Einfluß geltend machen können", ist Fillinger überzeugt. Voller Neid schaut er über den Kanal: "England hat jetzt einen blinden Arbeitsminister."

Mittelbayerische Zeitung, 07.05.97