Assistenz in der Schule

AssistenzSchule
Ein Beitrag von Ulrike Marzhäuser

Seit September 2009 gehen eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter von Phönix e.V. wieder in die erste Klasse. Antonie unterstützt ein Mädchen mit Down-Syndrom an der Bischof-Manfred-Müller-Schule; Tobias begleitet einen Jungen an der Grundschule Prüfening, der unter anderem eine Hörbehinderung hat. Beide machen als Integrationshelfer sehr gute Erfahrungen, wie Ulrike Märzhäuser in ihren Interviews erfuhr.

Antonie, warum hast du dich für diese Arbeit entschieden?

Ich bin Kinderpflegerin, arbeite gerne mit Kindern und fand die Sache interessant. Außerdem sind die geregelten Arbeitszeiten gut für mich.

Was machst du als Integrationshelferin?

Wir treffen uns um 7.45 h am Schultor und ich helfe M. beim Umziehen, auch in den Pausen und beim Sport. Ich schaue, dass sie immer das richtige Heft hat und die Hausaufgaben richtig einträgt oder ich erkläre ein Arbeitsblatt nochmal. Manchmal gehen wir zur freien Stillarbeit in ein separates Zimmer, weil M. das Flüstern schwer fällt. Außerdem motiviere ich sie zum Mitmachen, z.B. verspreche ich, ihr ein Bild ins Heft zu malen, wenn sie weiter schreibt. Wenn M. keine Lust hat, die Pause zu beenden, hilft es schon mal, zu sagen: „Komm, wir schleichen den anderen nach!“ Allerdings muss ich mir täglich neue Tricks einfallen lassen. Insgesamt lernt M. sehr gut und gerne und macht tolle Fortschritte.

Wie würdest du deine Beziehung zu M. beschreiben?

Ich bin schon Autoritätsperson, aber es hat sich eine enge Beziehung entwickelt. M. hat Vertrauen und mag mich gern. Wenn sie müde oder traurig ist, kuscheln wir auch mal.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Lehrerin?

Die Eltern, die Lehrerin und ich treffen uns regelmäßig zu Absprachen. da ist dann auch jemand vom Sonderpädagogischen Dienst dabei. Mit den Eltern spreche ich täglich bei der Übergabe kurz zwischen Tür und Angel. Außerdem gibt es ein Buch, in das die Eltern z.B. eintragen, wenn M. sich nicht so gut fühlt. Ich schreibe besondere Vorfälle rein, aber auch, wenn M. Kleber braucht oder so. Die Zusammenarbeit mit der Lehrerin klappt gut. Der Unterricht läuft meist ohne spezielle Anweisungen. Ich erfahre die Arbeitsaufträge wie die anderen Kinder. Manchmal gibt die Lehrerin M. und mir auch spezielle Aufgaben, z.B. vorab Musikinstrumente oder Sportgeräte herrichten.

Wie reagieren die Kinder auf dich?

Die Kinder sind an Erwachseneim Unterricht gewöhnt, die Stillarbeitslehrerin ist ja auch noch da. Die Kinder akzeptieren mich, lassen sich aber nicht so viel von mir sagen. Sie sind nicht neidisch auf die Extraaufmerksamkeit und kommen auch mal mit Fragen oder bitten mich um Hilfe.

Wie gut ist M. in die Klasse integriert?

Man merkt, dass die Kinder immer toleranter werden und lernen, Rücksicht zu nehmen. M. sagt im Stuhlkreis gerne lustige Sachen, die alle zum Lachen bringen. Die meisten Kinder mögen sie gerne, manche kümmern sich besonders fürsorglich. Manche reagieren eher vorsichtig, andere ziemlich resolut. Es kommt schon mal vor, dass M. beim Sport nicht in die Mannschaft gewählt wird.

Welche Konflikte gibt es, und was machst du dann?

Ich muss schon mal Streit schlichten, z.B. wenn M. jemanden schubst oder mal wieder eine Mütze klaut.

Hast du dir die Arbeit so vorgestellt?

Ja, in etwa, aber ich wusste nicht, dass es soviel Spaß macht. Ich finde M. wirklich süß. Als die Lehrerin sie lobte, weil sie so fleißig war, gab M. zur Antwort: „Ja, du auch!“

Antonie, vielen Dank für das Gespräch!

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Tobias, warum hast du dich für die Arbeit als Integrationshelfer entschieden?

Ich bin ausgebildeter Erzieher und habe ein Praktikum an einer integrativen Schule gemacht.

Was machst du in der Schule?

M. braucht Hörgeräte und hört oft mit Hall. Meine Hauptaufgabe besteht darin, zu wiederholen, wenn M. etwas schlecht gehört hat und darauf zu achten, dass er sich nicht ablenken lässt. Ich motiviere ihn immer wieder, weil sein Arbeitstempo recht langsam ist. Außerdem muss ich beim Toben auf die Hörgeräte aufpassen.

Wie würdest du deine Beziehung zu M. beschreiben?

Ich bin sein großer Freund. Anfangs waren nur zwei Stunden Schulassistenz täglich genehmigt. Das war problematisch, weil ich manchmal mitten im Unterricht dazu kam, und dann wollte M. natürlich gerne erst mal mit mir reden, anstatt weiterzuarbeiten. Jetzt ist es besser, weil ich den ganzen Vormittag für M. da sein kann.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Eltern und den Lehrern?

Der Austausch mit der Mutter funktioniert gut. Ich treffe mich mindestens einmal wöchentlich mit ihr. Besondere Vorkommnisse werden in ein Büchlein eingetragen, damit ich z.B. weiß, dass M. schlecht geschlafen hat. Mit der Lehrerin war die Zusammenarbeit anfangs eher schwierig, weil sie befürchtete, ich könnte ihre Kompetenz anzweifeln. Jetzt geht es besser, da ich sie ja auch entlaste.

Wie reagieren die Kinder auf dich?

Die Kinder fanden es von Anfang an toll, dass sie jetzt eine männliche Bezugsperson haben und ich auch mit ihnen Quatsch mache und spiele.

Wie gut ist M. in die Klasse integriert?

Nachdem ich viele neugierige Fragen beantwortet hatte, gab es kaum Berührungsängste. Fast alle wollen neben M. sitzen und sind sehr hilfsbereit. Sie sind stolz, eine besondere Klasse zu sein.

Welche Konflikte gibt es, und was machst du dann?

Es gab noch keine Konflikte. M. wurde im Zeugnis besonders für sein empathisches Auftreten gelobt.

Hast du dir die Arbeit so vorgestellt?

Ja, ungefähr.

Tobias, vielen Dank für das Gespräch!