In knalligem PHÖNIX-gelb gratulierte Ina Stein, die Behindertenbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, zusammen mit anderen Gästen dem Verein zu seinem 10-jährigen Wirken. Dienste wie PHÖNIX haben, so Stein, eine große sozial- und behindertenpolitische Bedeutung. Der Name PHÖNIX stehe für Hoffnung, Zukunft und Veränderung in einer noch weitgehend behindertenfeindlichen Umwelt.
Rückblicke und Ausblicke
Zehn Jahre Beratung und Hilfen für behinderte Menschen waren Grund genug mit Vertretern aus Politik und Behindertenbewegung Rückblicke und Ausblicke auf die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen zu wagen. Es hat sich einiges getan in dieser Zeit und die Tatsache, daß viele behinderte Menschen die Vertretung ihrer Interessen nunmehr selbst in die Hand nehmen, hat vielerorts Früchte getragen. Die Stimme behinderter Menschen ist lauter geworden, wird aber immer noch viel zu oft überhört. Die Ergänzungen in Grundgesetz und Bayerischer Verfassung zur Gleichstellung behinderter Menschen mit der 'nichtbehinderten Gesellschaft' sind zwar weitgehend von der Politik als Auftrag angenommen worden, die Umsetzung dieses Auftrags läßt aber noch sehr zu wünschen übrig.
Gleichstellung Behinderter lässt zu wünschen übrig [ Bild ]
Insbesondere die Einbeziehung der privaten Geschäftswelt in die behindertengerechte Gestaltung der Umwelt ist kaum vorangekommen. Was für viele Behörden zur Selbstverpflichtung geworden ist, ist für den Privatmann noch weitgehend eine lästige Nebensächlichkeit. Wo finden wir denn die ebenerdigen Zugänge in Geschäfte und Lokale, die behindertengerechten Toiletten und die rollstuhlzugänglichen Wohnungen? Da kommt einem schnell das Bild von der Stecknadel und dem Heuhaufen.
Behinderte fordern Gleichstellungsgesetz [ Bild ]
Deshalb fordern viele behinderte Menschen die Politik auf, den genannten Verfassungsergänzungen weitere Taten folgen zu lassen. 'Gleichstellungsgesetz' ist das Schlagwort, mit dem um mehr Normalität für behinderte Menschen gekämpft wird. Auch für Bayern ist nach Meinung vieler behinderter Menschen und nichtbehinderter Interessenvertreter ein Gleichstellungsgesetz ein notwendiger Schritt. Frau Ina Stein, Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung und selbst von einer Behinderung betroffen, hat keinen leichten Stand wenn es gilt, die Akzeptanz der bayerischen Staatsregierung hinsichtlich dieser Forderung zu erreichen. Dabei sind die Themen vielfältig, die ein solches Gesetz umfassen muß. Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden, im Wohnungsbau, in Gaststätten und Arztpraxen sowie zugänglicher öffentlicher Personennahverkehr, Gebärdensprache und einheitliche Regelungen über die Vertretung behinderter Menschen auf kommunaler Ebene sind berechtigte Anliegen, die in einem Gleichstellungsgesetz Beachtung finden müssen. Wenig produktiv ist es dabei, wenn sich Bund und Land den Ball nach dem Motto zuspielen: ich mach erst wenn du...
Zehntausend Unterschriften an Ministerpräsident Stoiber [ Bild ]
Zehntausend Unterschriften hat Frau Stein bereits dem Ministerpräsidenten Stoiber übergeben, die ein Gleichstellungsgesetz für Bayern fordern. Und es wird weiter gesammelt. Wir bedanken uns bei Frau Stein, die unsere Forderung nach einem Gleichstellungsgesetz erhört hat und gegenüber der Bayerischen Staatsregierung so engagiert vertritt. Wir, die wir für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen eintreten, sollten es dabei aber nicht belassen. Es wird sich nichts tun, wenn wir darin nachlassen, uns selbst zu Wort zu melden.

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